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KWT 2026 in Salzburg: 50 Jahre ÖGK, Medienwandel und viel Gesprächsstoff

Von 6. bis 8. Mai 2026 fanden die Kommunikationswissenschaftlichen Tage der Österreichischen Gesellschaft für Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg statt. Die KWT 2026 standen in einem besonderen Zeichen: Die ÖGK feierte ihr 50-jähriges Bestehen und damit auch ein halbes Jahrhundert fachlicher Auseinandersetzung mit Medien, Öffentlichkeit und Kommunikation in Österreich.

Bereits am Mittwoch startete die Tagung mit einem Early Career Netzwerkstreffen der ÖGK für interessierte Prae- und Postdocs sowie einem Get Together im Augustiner Bräustübl. Am Donnerstag wurde die Tagung offiziell von Bürgermeister-Stellvertreter Mag. Kay-Michael Dankl und Rektor Univ.-Prof. Dr. Bernhard Fügenschuh eröffnet, die in ihren Grußworten unterschiedliche Perspektiven auf aktuelle Entwicklungen der Medienlandschaft und ihre gesellschaftliche Bedeutung einbrachten.

Den inhaltlichen Auftakt bildete die Keynote von Melisa Erkurt zum Thema „Junge Öffentlichkeiten neu denken“. Erkurt sprach darüber, warum journalistische Angebote längst dort präsent sein müssen, wo junge Zielgruppen sich bewegen – und nicht erst dann, wenn sie dort „angekommen“ sind. Besonders eindrücklich waren ihre Einblicke in Social-Media-Formate der Chefredaktion, etwa die Serie „Seiten auf Null“, in der junge Männer im Barbershop zu unterschiedlichen Themen befragt werden und dabei persönliche Perspektiven sichtbar werden. Zugleich machte Erkurt deutlich, wie schwierig es gerade für unabhängige journalistische Initiativen ist, unter den Bedingungen der österreichischen Presseförderung nachhaltig zu arbeiten.

Am Freitagmorgen blickte Irene Neverla in ihrer Keynote auf die Entwicklung der Kommunikationswissenschaft zurück und nach vorne. Sie zeigte, dass das Fach vielleicht keine kanonischen Bestseller hervorgebracht hat, wie man sie aus anderen Sozialwissenschaften kennt, sich aber kontinuierlich weiterentwickelt und immer neue Gegenstände, Medienformen und gesellschaftliche Problemlagen aufgegriffen hat. Auch Veränderungen der Fachkultur kamen zur Sprache: von stärker individualisierten Arbeitsweisen hin zu vernetzteren und auf Kooperationen setzende Formen wissenschaftlicher Praxis. Wie dieser Wandel zu bewerten ist und welche Folgen er für den akademischen Betrieb hat, bot im Anschluss reichlich Stoff für Diskussionen.

Das weitere Programm zeigte die Breite der aktuellen kommunikationswissenschaftlichen Forschung. Diskutiert wurden in insgesamt 15 thematischen Panels unter anderem Vertrauen und Legitimität in der politischen Kommunikation, soziotechnische Reibungen, Journalismus im Wandel, algorithmische Normen, digitale Verwundbarkeit, Fachgeschichte, Teilhabe, Regulierung, Nachhaltigkeit, Arbeit und Künstliche Intelligenz.

Auch abseits der Panels boten die KWT 2026 viele Gelegenheiten zum Austausch. Die räumliche Nähe der Veranstaltungsorte am Rudolfskai erleichterte Gespräche zwischen den Sessions, beim Mittagsbuffet und in den Kaffeepausen. Besonders erfreulich war die starke Beteiligung aus unterschiedlichen Standorten der österreichischen Kommunikationswissenschaft. Kolleg:innen aus allen Teilen Österreichs waren vertreten, mit besonders sichtbarer Präsenz etwa aus Wien und Klagenfurt, aber auch mit Gästen über die Landesgrenzen hinaus.

Zum Jubiläum gehörte außerdem die Ausstellung „50 Jahre ÖGK – Gesichter und Geschichten“, die historische Rückblicke und persönliche Erinnerungen auf die Entwicklung der Fachgesellschaft versammelte. Die Jubiläumswand wurde rege für Fotos genutzt, und auch die eigens gestalteten Sticker fanden sichtbar ihren Weg auf zahlreiche Notebooks – von „Wissen schafft“ bis „Komm-in-Aktion“.

Ein Höhepunkt war das Jubiläumsdinner im Sternbräu. Dort kamen frühere ÖGK-Funktionär:innen, langjährige Wegbegleiter:innen und neue Gesichter zusammen. Katharina Lobinger überbrachte nahezu überschwänglich Glückwünsche der SGKM, Marlis Prinzing gratulierte im Namen der DGPuK. Durch das Programm führten Stefan Gadringer, Corinna Peil und Tales Tomaz. Thomas Steinmaurer und Brigitte Huber rekonstruierten in einem launigen Dialog die Geschichte und frühen Phasen der ÖGK – informativ, unterhaltsam und mit ausreichend Gespür dafür, dass Verbandsgeschichte auch von Personen, Anekdoten und beharrlicher ehrenamtlicher Arbeit lebt. Den Ausblick bildete schließlich die Einladung zur DACH-Tagung 2028 in Wien, die Sabine Einwiller präsentierte.

Die KWT 2026 machten damit deutlich, dass 50 Jahre ÖGK nicht nur Anlass für Rückblick und Gratulation sind. Sie zeigten auch, wie lebendig und vielfältig die Kommunikationswissenschaft in Österreich ist und dass dem Fach angesichts von Plattformisierung, KI, Fragmentierung, und neuen Öffentlichkeiten die Themen so schnell nicht ausgehen werden.

Corinna Peil
19. Mai 2026